Jubiläumsfachtage

10 Jahre Bedrohungsmanagement Mittelfranken
Hochrisikofälle im Kontext häuslicher Gewalt & Stalking

am 11. und 12. Februar 2026

Über die Veranstaltung

Im Jahr 2016 nahm das Bedrohungsmanagement Mittelfranken als deutschlandweit erstes institutionsübergreifendes Bedrohungsmanagement seine Arbeit auf. Als besonders niedrigschwelliges Fachkräftenetzwerk, dessen Steuerung im zivilgesellschaftlichen Bereich verortet ist, ist es bis heute einzigartig.

Das Bedrohungsmanagement Mittelfranken fördert aktiv den interdisziplinären Austausch zwischen relevanten Stellen in der Region, um schwere zielgerichtete Gewalttaten frühzeitig zu erkennen und wirksam zu intervenieren. Ein wichtiger Baustein ist dabei das Management von Hochrisikofällen, in dem das Netzwerk über die Jahre wertvolle Erfahrungen gesammelt hat.

Zum 10-jährigen Jubiläum blicken wir zurück auf die Ursprünge des Netzwerks: die Prävention von Hochrisikofällen im Kontext häuslicher Gewalt & Stalking.

Die zweitägige Veranstaltung bietet ein vielfältiges Programm mit Vorträgen im Plenum und jeweils einen Wahlbereich an beiden Tagen, der individuelle Schwerpunktsetzungen ermöglicht.

Freuen Sie sich auf spannende Vorträge, interaktive Workshops und Diskussionen mit Expert:innen und Praktiker:innen aus dem Bedrohungsmanagement und angrenzenden Disziplinen.

Programm

Foto des Programmablaufs

Fachvorträge

10 Jahre Bedrohungsmanagement Mittelfranken

Alexandra Cimbal M.A., Leiterin Netzwerksteuerung und -kommunikation Bedrohungsmanagement Mittelfranken

Der Vortrag zeichnet die Entstehung und Entwicklung des Bedrohungsmanagement Mittelfranken nach: von den ersten Aufbauprozessen und konzeptionellen Entscheidungen über zentrale Meilensteine der Netzwerkarbeit bis hin zur heutigen interdisziplinären Praxis. Anhand ausgewählter Kennzahlen wird die aktuelle Arbeit des Netzwerks eingeordnet und sichtbar gemacht. Abschließend richtet der Vortrag den Blick nach vorn und skizziert zentrale Herausforderungen, Entwicklungsbedarfe und Visionen für die kommenden Jahre der Gewaltprävention im institutionsübergreifenden Bedrohungsmanagement.

Häusliche Gewalt und Stalking im Kontext Bedrohungsmanagement

Steffi Walter, Dipl. Sozialpädagogin (FH) & Traumafachberaterin, Beratungsstelle des Frauenhaus Nürnberg

Der Vortrag führt in das Schwerpunktthema der Jubiläumsfachtage ein und beleuchtet häusliche Gewalt und Stalking als zentrale Handlungsfelder des institutionsübergreifenden Bedrohungsmanagements. Der Beitrag zeigt auf, welche Rolle das Bedrohungsmanagement Mittelfranken bei der frühzeitigen Einschätzung und Bearbeitung von Fallkonstellationen in diesen Phänomenbereichen einnimmt und welche Anforderungen sich daraus für die vernetzte Zusammenarbeit der beteiligten Akteur:innen ergeben.

Gefährdung erkennen: Schematherapeutisches Verständnis von Täterimpulsen und Risikoverhalten

Jaqueline Munack M. Sc., Psychologin und psychologische Psychohterapeutin & Christina Tisch, Psychotherapeutische Fachambulanz der Stadtmission Nürnberg

Der Vortrag gibt einen kompakten Einblick in die innerpsychischen Dynamiken bei Gewalttaten und zeigt, wie das Modusmodell der Schematherapie hilft, Motivationen und Impulse besser zu reflektieren. Anhand ausgewählter Fallbeispiele werden typische Tätermodi und deren Auslöser veranschaulicht. Ziel ist es, dieses Verständnis für eine präzisere Risikoeinschätzung und wirksame Prävention im Bedrohungsmanagement nutzbar zu machen.

Verhinderung von Gewalteskalation - Die Polizei als Netzwerkpartner im Bedrohungsmanagement am Beispiel SENSOR.rlp

Marcus Papadopulos M.A., Polizeioberrat, Dozent, Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz

GaTe-RAI - Gefährdungsanalysen zu Tötungsdelikten in Partnerschaft und Familie

Prof. Dr. Rebecca Bondü, Professorin für Entwicklungs-, Pädagogische und Familienpsychologie an der Psychologischen Hochschule Berlin (PHB)

Jeden Tag wird in Deutschland ein Mensch im Rahmen von Partnerschaftsgewalt Opfer eines versuchten Tötungsdelikts, alle drei Tage endet eine solche Tat tödlich. Diese Zahlen machen deutlich, wie wichtig es ist, Warnsignale frühzeitig zu erkennen und richtig einzuordnen. Genau hier setzt das Risikoanalyseinstrument GaTe-RAI (Gefährdungsanalyse Tötungsdelikte in Partnerschaft und Familie) an, das von Prof. Dr. Rebecca Bondü und ihrem Team entwickelt wurde. Im Rahmen des Vortrags werden zentrale Ergebnisse des entsprechenden Forschungsprojekts „Polizeiliche Gefährdungsanalysen zu Tötungsdelikten in Partnerschaft und Familie“ (GaTe) präsentiert und die Bedeutung von Leaking als Warnsignal für Intimizide hervorgehoben.

Einschätzung (schwerer) häuslicher Gewalt und potenzieller Femizide im Bedrohungsmanagement Mittelfranken

AG Hochrisikofälle häuslicher Gewalt des Bedrohungsmanagement Mittelfranken

Auf Grundlage der langjährigen Erfahrungen des Bedrohungsmanagements Mittelfranken in der Einschätzung und Entschärfung von Hochrisikofällen häuslicher Gewalt hat die gleichnamige Arbeitsgruppe des Netzwerks eine Einschätzungshilfe entwickelt, die 2025 in eine erste Testphase gestartet ist. Der Vortrag beleuchtet die fachlichen Hintergründe, Zielsetzungen und Entwicklungsschritte dieses Tools und stellt ausgewählte Ergebnisse und Erkenntnisse aus der ersten Testphase vor.

Digitalisierung von Partnerschaftsgewalt

Ann-Christin Adam M.A., Hochschule der Polizei Rheinland Pfalz

Femizide in Deutschland - Verbreitung, Ursachen und Prävention

Prof. Dr. Deborah Hellmann, Professorin für Psychologie an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen (HSPV NRW)

Im November 2025 wurden die ersten Ergebnisse des Forschungsprojekts „Femizide in Deutschland – eine empirisch-kriminologische Untersuchung zur Tötung an Frauen“ veröffentlicht. Prof. Dr. Deborah Hellmann, Projektleitung des Forschungsprojekts, gibt einen Überblick über den Begriff und die unterschiedlichen Erscheinungsformen von Femiziden. Im Mittelpunkt des Vortrags steht dabei die Form der Intimizide, also Tötungen von Frauen durch ihren (Ex-)Partner oder Familienangehörige. Anhand aktueller Befunde werden Verbreitung, Ursachen und zentrale Risikofaktoren von Femiziden in Deutschland dargestellt. Abschließend werden präventive Ansatzpunkte diskutiert und eingeordnet, insbesondere im Hinblick auf frühe Risikoerkennung und institutionelle Verantwortung.

Meldehürden männlicher Betroffener

Dirk Geldermann, Sozialpädagoge A& Systemischer Therapeut nach DGSV, Beratungsstelle Häusliche Gewalt an Männern in Nürnberg

Der Vortrag thematisiert, warum männliche Betroffene Gewalt, Stalking und andere Gefährdungslagen deutlich seltener benennen, melden oder Hilfe in Anspruch nehmen. Im Mittelpunkt stehen gesellschaftliche Männlichkeitsbilder sowie Gefühle wie Scham, Loyalität und Verantwortungszuschreibungen. Diese können dazu führen, dass Gefahren zu spät oder gar nicht sichtbar werden. Der Beitrag zeigt auf, warum diese Dynamiken für Risikoerkennung, Gefährdungseinschätzung und Prävention im Bedrohungsmanagement aber auch in vielen anderen Bereichen von zentraler Bedeutung sind und warum es sich für alle Geschlechter lohnt, diese Rollenbilder zu reflektieren und bewusst zu machen.

Workshops: Inhaltliche Schwerpunktsetzungen (zur Auswahl)

Mitwoch, 11.02.2026:

A1 Interventionsmöglichkeiten bei Nachbeziehungsstalking

Steffi Walter, Dipl.-Sozialpädagogin (FH) & Traumafachberaterin, Beratungsstelle des Frauenhaus Nürnberg

A2 Suizidalität als Hochrisikofaktor - Erkennen und Handeln

Sylvia Freiberger, Dipl.-Sozialpädagogin (FH) & Traumafachberaterin, stellv. Leitung des Krisendienstes Mittelfranken

A3 Interviewführung nach den Méndez-Prinzipien

Samuel Roberts, Chief Executive’s Office, Security, Crime Prevention & Investigation, Siemens AG

A4 Führungskräfteverantwortung im Bedrohungsmanagement aus Sicht der Polizei

Heike Krämer, Erste Kriminalhauptkommissarin, PP Mittelfranken, SPoC Bedrohungsmanagement & Theresa Geyer, Kriminalhauptkommissarin, PP Mittelfranken, Mitarbeiterin Risikoanalyseteam

Als Führungskraft obliegt Ihnen grundsätzlich die Verantwortung für Mitarbeitende innerhalb ihrer Organisation. Dieser Workshop zielt darauf ab, Ihnen Handlungssicherheit zu geben, wie Sie verfahren und entscheiden können, wenn Sie von Bedrohungssachverhalten zum Nachteil Ihrer Belegschaft erfahren.  

Donnerstag, 12.02.2026:

B1 How to: Bedrohungsmanagement - Bedrohungsmanagementstrukturen aufbauen und weiterentwickeln

Marcus Papadopulos M.A., Polizeioberrat, Dozent, Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz

B2 Risikoanalyse bei häuslicher Gewalt

N. N.

B3 Digital Gewalt: Gefahren verstehen, Betroffene schützen

Susan Ottlik & Kristin Brettschneider, Soziale Arbeit, frauenBeratung nürnberg für gewaltbetroffene Frauen und Mädchen  

Häusliche Gewalt, Stalking und Bedrohung – all das geschieht nicht nur im analogen, sondern zunehmend auch im digitalen Raum. Erstbewertende erfahren im Workshop, was digitale Gewalt bedeutet und mit welchen Mitteln sie ausgeübt wird. Ziel ist es, dass Erstbewertende in den Gesprächen die Gefahren digitaler Gewalt (z. B. durch Überwachung) mitdenken, konkrete Fragen stellen und erste Interventionen zum Schutz der Betroffenen vorschlagen können. Dabei unterstützt im Workshop eine IT-Expertin und beantwortet Fragen zur praktischen Umsetzung und Technik.

B4 Beratungsgespräche mit (potenziellen) Täter:innen

Nico Ruhara M. Sc., Psychologe und psychologischer Psychotherapeut (TP), Psychotherapeutische Fachambulanz der Stadtmission Nürnberg

Zielgruppe

Die Veranstaltung richtet sich primär an Fachkräfte aus den Bereichen Sozialarbeit, Psychologie, Sicherheit, Bildung, Gesundheitswesen und Recht, die sich mit den Themen Sicherheit, Bedrohungsmanagement, häusliche Gewalt und Stalking beschäftigen. Darüber hinaus sind auch Interessierte aus weiteren Berufsfeldern, die sich mit den Veranstaltungsthemen befassen, willkommen.

Veranstaltungsort

Die Veranstaltung findet an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm, Bahnhofstraße 90, 90402 Nürnberg statt.
Eine Anfahrtsskizze können Sie dem Veranstaltungsflyer entnehmen.

Anmeldung

Die Anmeldung ist bis zum 30. Januar 2026 unter bm@kdmfr.de möglich.

Bitte geben Sie bei der Anmeldung an,

  • welche Workshops Sie besuchen möchten (A + B),
  • ob Sie eine Rechnung wünschen und wenn ja, unter welcher Rechnungsadresse,
  • ob Sie am optionalen Abendprogramm (Get-together im Restaurant Estragon auf eigene Kosten) teilnehmen möchten.

Bitte beachten Sie, dass die Teilnehmendenzahl begrenzt ist und für die Abendveranstaltung nur ein bestimmtes Platzkontingent zur Verfügung steht.

Kontakt

Bei Rückfragen zur Anmeldung oder anderen Anliegen können Sie sich gerne jederzeit an Alexandra Cimbal, a.cimbal@kdmfr.de, Tel.+49 171 / 4671244 wenden.

Teilnahmegebühren

Jubiläumsangebot bis zum 15.01.2026:  115,00€

Regulär:       145,00€
Ermäßigt:      90,00€

Erstbewertende des Bedrohungsmanagements Mittelfranken und Studierende erhalten eine Ermäßigung.
Ein Gruppenrabatt ist ab fünf Personen und nach Absprache möglich.

In der Teilnahmegebühr sind die Kosten für die Verpflegung während der Pausen enthalten.

Stornierungsbedingungen

Bei Stornierung bis zum 30.01.2026 fällt eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 25,- Euro an, darüber hinaus gezahlte Beiträge werden nach der Veranstaltung erstattet. Bei Stornierung nach dem 30.01.2026 ist leider keine Rückerstattung mehr möglich.

Unterstützer:innen

Die Veranstaltung wird von der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm unterstützt.

Kommen Sie gerne auf uns zu, wenn auch Sie unser Netzwerk und Veranstaltungen wie diese unterstützen möchten.